Hessens Apotheken kämpfen um Überleben: Ungleiche Regeln und finanzielle Not
Hessens Apotheken kämpfen um Überleben: Ungleiche Regeln und finanzielle Not
Ein kürzlich stattgefundenes Treffen zwischen Hessens Staatssekretärin für Gesundheit, Dr. Sonja Optendrenk, und Noweda-Chef Dr. Michael Kuck hat die wachsenden Sorgen über die Belastungen für lokale Apotheken und pharmazeutische Großhändler unterstrichen. Im Mittelpunkt der Gespräche im Noweda-Verteilzentrum standen finanzielle Engpässe, regulatorische Ungleichheiten und die Notwendigkeit fairerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in der Branche.
Optendrenk betonte die unverzichtbare Rolle der Apotheken, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo sie oft die erste Anlaufstelle für medizinische Beratung sind. Sie hob hervor, dass ihre wirtschaftliche Stabilität entscheidend sei, um eine flächendeckende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Vergütung für Apotheken nicht mit den steigenden Betriebskosten Schritt halte, sodass viele um ihre Existenz kämpften.
Kuck teilte diese Bedenken und verwies darauf, dass Apotheken und Großhändler strenger reguliert würden als Versandapotheken, was zu einem ungleichen Wettbewerb führe. Während Versandapotheken etwa bei Transportvorschriften mehr Spielraum hätten – etwa durch die Nutzung externer Logistikdienstleister für Lieferungen – müssten stationäre Apotheken Medikamente persönlich aushändigen. Kuck argumentierte, dass diese Schieflage unnötige finanzielle und organisatorische Belastungen mit sich bringe, zumal die Festbeträge für Apotheken seit Jahren unverändert blieben.
Thema war auch die Kritik am Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das 2020 eingeführt wurde. Seit dessen Inkrafttreten hätten sich die Transportregeln für industrielle Versandapotheken kaum geändert: Sie dürften weiterhin über Drittanbieter liefern, während die Apothekenpflicht bestehe. Stationäre Apotheken hingegen müssten die direkte Übergabe sicherstellen, und Großhändler unterlägen separaten Lieferhäufigkeitskontrollen. Sowohl Optendrenk als auch Kuck forderten dringend Reformen, darunter höhere Festbeträge sowie eine Ablehnung von Modellen wie der "Apotheke ohne Apotheker", gegen die sich Hessen bereits im Bundesrat ausgesprochen hat.
Die Gespräche machten deutlich, dass es einen politischen Schub für Veränderungen braucht, um Apotheken und Großhändler zu stärken. Optendrenk und Kuck waren sich einig, dass fairere Vergütungsmodelle und der Abbau regulatorischer Ungleichheiten essenziell seien, um die lokale Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern. Ohne Anpassungen könnte die wirtschaftliche Belastung die Fähigkeit der Apotheken einschränken, ihre Gemeinden effektiv zu versorgen.
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