EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin
Ben HofmannEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der Künstlerin Larissa Sansour, die unter dem Künstlernamen Al-Sharif bekannt ist, eine Debatte ausgelöst. Nicht ihr Werk selbst, sondern ihre Beiträge in sozialen Medien stehen im Zentrum der Kritik – ihr werden antisemitische Äußerungen und Unterstützung für die BDS-Bewegung vorgeworfen. Die Entscheidung hat dazu geführt, dass sich sowohl die Stadt als auch Landesvertreter öffentlich distanzieren.
Der Film Morning Circle von Al-Sharif wird dennoch wie geplant gezeigt – trotz der Einwände. Kritiker verweisen auf frühere Posts der Künstlerin, darunter ein Halloween-Kostümfoto, das von manchen als beleidigend interpretiert wird. Andere argumentieren, dass solche Veröffentlichungen differenziert betrachtet werden müssten, statt pauschal verurteilt zu werden.
Die Stadt Osnabrück betont zwar die programmatische Unabhängigkeit des EMAF, macht aber gleichzeitig klar, dass sie die Auswahl des Festivals nicht billigt. Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt, erklärte, er hätte Al-Sharifs Werk lieber ausgeschlossen, um jeden Anschein der Förderung von Antisemitismus zu vermeiden. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, warnte hingegen davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.
Katrin Mundt, künstlerische Leiterin des EMAF, sieht das Festival als Fallbeispiel für die Gratwanderung zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung. Das EMAF hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, gleichzeitig aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm integriert.
Die Kontroverse spiegelt die größeren Spannungen in Deutschland wider, wo die BDS-Bewegung in den letzten Jahren an Sichtbarkeit gewonnen hat. Eine Studentenresolution der Hertie School in Berlin, die 2026 die Unterstützung von BDS beschloss, führte zum Rückzug des designierten Präsidenten Jan-Werner Müller nach massiver Kritik. Solche Debatten überschneiden sich oft mit der Sorge über steigende antisemitische Vorfälle seit Oktober 2023, auch wenn direkte Verbindungen zu BDS in jüngeren Fällen kaum belegt sind.
Auch Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, hat sich von der EMAF-Entscheidung distanziert und damit die Haltung der Stadt Osnabrück unterstützt.
Die Aufführung von Al-Sharifs Film wird stattfinden, doch die Auswahl des Festivals hat die Gräben zwischen künstlerischem Ausdruck und politischer Verantwortung vertieft. Während sich Behörden in Osnabrück und darüber hinaus klar gegen die Entscheidung stellen, hält das EMAF an seinem Anspruch auf unabhängige Programmgestaltung fest. Die Diskussion zeigt die anhaltenden Herausforderungen auf, die mit Meinungsfreiheit, kultureller Repräsentation und den Grenzen des sagbaren Diskurses einhergehen.






