09 May 2026, 12:16

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit NS-Geschichtsrevision zum 81. Befreiungstag

Offenes Buch mit handgeschriebenen Tagebucheintragungen eines deutschen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg getötet wurde, gefüllt mit detailliertem Text.

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit NS-Geschichtsrevision zum 81. Befreiungstag

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hat mit seinen Äußerungen zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. Seine Aussagen stellen die allgemein anerkannte Erzählung von Schuld und Verantwortung infrage und deuten die Niederlage stattdessen als kulturellen Verlust – nicht als notwendiges Ende einer Tyrannei.

Tillschneider argumentierte, das deutsche Volk habe sich lediglich aus Schuldvermeidung den Werten der Sieger angeschlossen. Diesen Wandel bezeichnete er als Ausweichmanöver, nicht als echte historische Lehre. Die Niederlage sei aus seiner Sicht lediglich ein militärischer Zusammenbruch gewesen, der die Befreiung ermöglichte – kein moralisches Umdenken.

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Er wies die vielbeachtete Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985, in der dieser die deutsche Verantwortung anerkannte, als „geistige Kapitulation“ zurück. Statt kollektiver Schuld forderte Tillschneider eine „normale deutsche Identität“ und berief sich dabei auf Franz Josef Strauß’ Kritik an einer „ewigen Buße“.

Seine Rhetorik wurde schärfer, als er das deutsche Geschichtsverständnis der Nachkriegszeit als „absurde Schuldkultur“ bezeichnete, die auf „imaginärer Kollektivschuld“ beruhe. Statt die Niederlage als historische Notwendigkeit zu sehen, sprach er von der „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Kritiker werfen ihm vor, damit das Leid der NS-Opfer zu verharmlosen.

Tillschneiders Position rückt die AfD zudem von der historischen Mehrheitsmeinung ab. Er räumte ein, der Weg seiner Partei führe nicht in eine „stolze Zukunft“, sondern berge die Gefahr, Deutschland in eine geistige Isolation zurückzuführen.

Seine Aussagen lehnen Jahrzehnte der deutschen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ab. Indem er die Befreiung als erzwungene Unterwerfung statt als moralische Zäsur darstellt, kollidieren seine Worte mit dem etablierten Gedenken. Die Debatte dreht sich nun darum, ob seine Ansichten eine Randposition bleiben – oder eine wachsende Herausforderung für das deutsche Geschichtsbewusstsein darstellen.

Quelle