12 June 2026, 18:10

WM 2006 und der Aufstieg des Patriotismus: Wie Fußball die Politik veränderte

Lieber "Party-Patriotismus" als kein Patriotismus

WM 2006 und der Aufstieg des Patriotismus: Wie Fußball die Politik veränderte

Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersucht, wie die patriotische Stimmung während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland politische Bewegungen beeinflusst haben könnte. Der Film deutet einen Zusammenhang zwischen dem massenhaften Zeigen nationaler Flaggen und dem späteren Aufstieg von Gruppen wie Pegida und der AfD an.

Die Weltmeisterschaft ist seit jeher eine Zeit, in der Deutsche offen nationale Verbundenheit zeigen. Trotz einer grundsätzlichen Zurückhaltung gegenüber patriotischen Bekundungen bringt das Turnier Flaggen, Gesänge und ein Gefühl der Einheit hervor. Viele – insbesondere die linksliberale Elite – bevorzugen oft eine eher kosmopolitische Identität statt eines offenen Nationalismus.

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Der Dokumentarfilm argumentiert, dass die Normalisierung von Flaggen und nationalen Symbolen während solcher Ereignisse ungewollte Folgen haben kann. Er hob hervor, wie politische Persönlichkeiten, darunter die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“ meist meiden. Diese Zurückhaltung spiegelt einen größeren Konflikt innerhalb der politischen Klasse wider, positive nationale Gefühle auszudrücken.

Für manche, wie eine im Film porträtierte Familie, ist die Weltmeisterschaft Anlass für persönliche Bekundungen des Stolzes. Der jüngste Sohn schmückte vor dem Turnier den Familienwagen mit Deutschlandflaggen. Für andere hingegen beschränkt sich das Interesse am Fußball auf die Spiele der Nationalmannschaft bei großen Turnieren.

Die Thesen des Films verweisen auf ein komplexes Verhältnis zwischen Sport, Nationalismus und Politik in Deutschland. Die patriotische Begeisterung während der WM 2006 könnte eine Rolle dabei gespielt haben, die öffentliche Haltung zu verändern. Die Debatte darüber hält an, während das Land weiterhin mit seiner nationalen Identität ringt.

Quelle