20 March 2026, 20:29

Weimar streicht Förderung für jahrzehntelanges Anti-Rechtsextremismus-Bündnis nach umstrittenem Votum

Eine Gruppe von Menschen marschiert auf einer Stadtstraße, einige halten Schilder und andere fahren Fahrräder, im Hintergrund ein Gebäude mit Rundbogenfenstern, Säulen und Skulpturen.

Weimar streicht Förderung für jahrzehntelanges Anti-Rechtsextremismus-Bündnis nach umstrittenem Votum

Langjährige Allianz gegen Rechtsextremismus in Weimar verliert städtische Förderung

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Ein seit Jahrzehnten bestehendes Bündnis gegen Rechtsextremismus in Weimar hat nach einer knappen Abstimmung im Stadtrat seine öffentliche Förderung verloren. Die von CDU und zwei lokalen Gruppierungen getragene Entscheidung löste breite Kritik und Proteste aus. Unterstützer warnen, der Schritt schwäche die Bemühungen, rechtsextremen Einfluss in Schulen und im öffentlichen Leben einzudämmen.

Die "Allianz gegen Rechtsextremismus" ist seit dem Jahr 2000 in Weimar aktiv und setzt sich gegen extremistische Ideologien ein. Jahrelang erhielt sie jährlich 30.000 Euro von der Stadt – Gelder, die nun in andere Demokratie- und Bildungsprojekte umgelenkt werden. Erst kürzlich organisierte das Bündnis eine Demonstration mit Hunderten Teilnehmern, um auf die zunehmende rechtsextreme Rhetorik aufmerksam zu machen.

Der Förderstopp folgte einer umstrittenen Abstimmung im Stadtrat, bei der 19 Mitglieder für den Antrag stimmten und 18 dagegen. Die CDU sowie die Gruppierungen Weimarwerk und FBW – ein Ableger der AfD – trieben die Entscheidung voran. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Geibert distanzierte sich im Nachhinein von Vorwürfen einer Zusammenarbeit mit rechtsextremen Kräften und nannte solche Unterstellungen "erschreckend".

Kritiker, darunter die Grünen, die SPD und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), verurteilten den Schritt als gefährliches Signal. Sie warnten, die Entscheidung sende die falsche Botschaft im Kampf gegen Extremismus. Das Bündnis selbst hatte zuvor Lehrer aufgefordert, im Unterricht klar politisch gegen rechtsextreme Ideologien Stellung zu beziehen – mit dem Argument, Neutralität spiele Extremisten nur in die Hände.

Parallel dazu bewilligte die Stadt ein 100.000-Euro-"Bürgerbudget", von dem ein Drittel für Demokratieprojekte vorgesehen ist. Gegner zweifeln jedoch an, ob dies die gestrichenen Mittel ersetzt oder lediglich eine Prioritätenverschiebung darstellt.

Die Allianz muss nun ohne städtische Unterstützung auskommen und ist auf alternative Finanzquellen angewiesen. Die politischen Spannungen in Thüringen bleiben hoch, insbesondere in der Debatte um die Zusammenarbeit der CDU mit rechtspopulistischen Kräften. Welche langfristigen Folgen die Entscheidung für die lokale Extremismusprävention haben wird, bleibt abzuwarten.

Quelle