Tausende fordern in NRW mehr Schutz für Frauen vor Gewalt und digitale Reformen
Nina SchulzTausende fordern in NRW mehr Schutz für Frauen vor Gewalt und digitale Reformen
Tausende sind in Nordrhein-Westfalen auf die Straße gegangen, um stärkere Schutzmaßnahmen für Frauen vor Gewalt zu fordern. Am Wochenende zogen Demonstrationen in Köln und Bonn große Menschenmengen an, bei denen die Teilnehmenden dringende Gesetzesreformen einforderten. Die Kundgebungen folgten einer Spiegel-Untersuchung zu digitaler Gewalt, die die öffentliche Debatte über Frauenfeindlichkeit und geschlechtsspezifische Gewalt neu entfachte.
Die Proteste begannen am Samstag in Köln, wo mehr als 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt demonstrierten. Einen Tag später versammelten sich rund 500 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Bonner Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Die Bonner Kundgebung wurde von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt.
Auslöser für die Proteste war ein Spiegel-Bericht aus dem Jahr 2024, in dem die Schauspielerin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, digitale Gewalt vorwarf. Die Enthüllungen veranlassten die Bundesregierung, verschärfte Gesetze vorzuschlagen, die sich gegen die Erstellung von Deepfakes, die nicht einvernehmliche Verbreitung von Bildern und unerlaubte Überwachung richten. Zudem sollen Anbieter verpflichtet werden, die IP-Adressen von Tätern herauszugeben.
Während einer Regierungssitzung im Jahr 2026 sprach CDU-Chef Friedrich Merz von einer "explodierenden" Welle an Gewalt – sowohl im physischen als auch im digitalen Raum. Er brachte einen Teil des Anstiegs mit Migration in Verbindung, betonte jedoch die Notwendigkeit gesamtgesellschaftlichen Handelns. Auf der Bonner Kundgebung unterstützten CDU-Politikerinnen der Frauen-Union die Forderungen nach besseren rechtlichen Schutzmechanismen.
Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Merz dafür, sich nicht stärker für die Reformen einzusetzen. Alle Rednerinnen und Redner auf der Veranstaltung riefen Männer dazu auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen frauenfeindliche Einstellungen und Gewalt zu übernehmen.
Die Proteste in Köln und Bonn unterstreichen den wachsenden öffentlichen Druck für gesetzliche Änderungen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören die Strafbarkeit von Deepfakes und eine Verbesserung des Opferschutzes. Die Reaktion der Regierung wird nun genau beobachtet, während Aktivistinnen und Aktivisten konkrete Schritte gegen geschlechtsspezifische Gewalt fordern.






