Schweiz setzt auf Rentner-Soldaten – und ein Komiker macht sich lustig
Ben HofmannSchweiz setzt auf Rentner-Soldaten – und ein Komiker macht sich lustig
Die Schweiz erkundet ungewöhnliche Wege, um ihre Landesverteidigung zu stärken. Das Parlament hat einen Plan verabschiedet, nach dem ehemalige Soldaten auf freiwilliger Basis wieder in den Dienst zurückkehren sollen. Unterdessen hat ein Komiker die Idee auf die Schippe genommen – und vorgeschlagen, das Land könnte auf weit skurrilere Talente zurückgreifen.
Der von beiden Kammern der Bundesversammlung unterstützte Vorschlag beauftragt den Bundesrat, ein Konzept für die Wiedereingliederung älterer Veteranen zu erarbeiten. Kritiker jedoch argumentieren, die Strategie übersehe andere, ungenutzte Ressourcen in der Schweizer Gesellschaft – einige weit überraschender als Ex-Soldaten.
Die Schweizer Regierung hat in jüngster Zeit ihren Ansatz in der nationalen Sicherheit ausgeweitet. 2023 billigten die Abgeordneten die Armee-XXI-Reform, die es Reservisten bis zum Alter von 50 Jahren ermöglicht, Aufgaben in der Cyberabwehr und im Zivilschutz zu übernehmen. Ein Jahr später, 2024, wurde ein Antrag angenommen, zivile Reservisten in Logistik und Notfallmanagement auszubilden. Pilotprojekte hierzu starteten 2025 in Kantonen wie Zürich und Bern.
Nun soll mit der Wiedereingliederung pensionierter Soldaten ein weiterer Schritt folgen. Beide Parlamentskammern haben zugestimmt und den Bundesrat beauftragt, ein freiwilliges Rückkehrprogramm auszuarbeiten. Befürworter betonen, dass ältere Generationen nach wie vor wertvolle Fähigkeiten einbringen könnten.
Doch nicht alle nehmen den Plan ernst. Der Komiker Simon Enzler, bekannt für seinen scharfen politischen Humor und seinen markanten Appenzeller Dialekt, hat die Idee in seinem aktuellen Programm Brenzlig auf die Schippe genommen. Enzler, der 2007 mit dem renommierten Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, schlägt vor, die Schweiz könnte noch viel weiter gehen. In seinen Auftritten witzelt er davon, Wanderer zu Guerilla-Kämpfern umzufunktionieren, indem sie Wegweiser falsch beschildern. Er stellt sich vor, wie Gleitschirme zu Kampfdrohnen umgerüstet werden, und scherzt sogar, der ohrenbetäubende Klang des Alphorns ließe sich als akustische Waffe einsetzen.
Seine Satire geht noch weiter: Enzler spottet, Golfer könnten zu Scharfschützen werden, Landfrauen Feldküchen betreiben und Großmütter Tarnnetze stricken. Leidenschaftliche Briefeschreiber und Verschwörungstheoretiker, so seine Pointe, wären perfekte Propagandisten. Mit seinem aktuellen Programm, das derzeit durch die Schweiz tourt, macht sich der Komiker über die Vorstellung lustig, dass die Verteidigungsstrategie des Landes vielleicht ein paar kreative Kniffe verpasst.
Kritiker des Regierungsplans halten ihn für zu eng gefasst. Zwar brächten ältere Soldaten Erfahrung mit, doch die Schweiz verfüge über ein ganzes Arsenal anderer Fähigkeiten – manche davon offen zutage liegend –, die in einer Krise genutzt werden könnten.
Der Bundesrat wird nun ein Konzept für die Rückkehr pensionierter Soldaten in militärische Rollen ausarbeiten. Falls umgesetzt, würde die Maßnahme eine weitere Ebene in der sich wandelnden Verteidigungsstrategie der Schweiz hinzufügen. Unterdessen dauert die öffentliche Debatte an: Sollte das Land über traditionelle Reserven hinausblicken? Und wären vielleicht ein paar treffende Witze der beste Weg, um die Lücken im Plan aufzudecken?






