Priens Demokratie-Reform gefährdet geförderte Projekte und löst bundesweite Kritik aus
Nina SchulzPriens Demokratie-Reform gefährdet geförderte Projekte und löst bundesweite Kritik aus
Bundesbildungsministerin Karin Prien treibt tiefgreifende Veränderungen im langjährigen Programm "Demokratie leben!" voran. Die geplante Reform, die zentrale Bausteine des Programms streicht, hat in ganz Deutschland Besorgnis ausgelöst. Kritiker warnen, dass Organisationen, die auf diese Förderung angewiesen sind, nun vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Die Initiative "Demokratie leben!" wurde 2014 mit einem jährlichen Budget von rund 190 Millionen Euro ins Leben gerufen. Sie fördert Projekte zur demokratischen Bildung, Extremismusprävention und zivilgesellschaftlichem Engagement. Nach den geplanten Änderungen verlieren Einrichtungen wie das Anne-Frank-Bildungszentrum – das derzeit jährlich 425.000 Euro erhält – ihre Mittel noch vor Jahresende abrupt.
Prien begründet die Reform damit, dass das Programm durch eine Neuausrichtung auf digitale demokratische Bildung und Extremismusprävention wirksamer werde. Doch die neuen Förderrichtlinien sind bisher vage geblieben, sodass Organisationen sich unter unklaren Kriterien neu bewerben müssen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt, dass Schulen und Bildungsarbeit direkte negative Folgen spürbar würden, sollten die Pläne umgesetzt werden.
Das Anne-Frank-Bildungszentrum, Teil des "Bündnisses gegen Antisemitismus", engagiert sich seit Jahren in der Beobachtung von Online-Hass und der Entwicklung pädagogischer Materialien. Sein Direktor, Meron Mendel, bezeichnet die Kürzungen als existenzbedrohend – nicht nur für das Zentrum selbst, sondern für die gesamte Arbeit gegen Antisemitismus und Extremismus. Unterdessen hat die rechtspopulistische AfD Priens Vorhaben offen unterstützt, was die Sorge vor politischen Motiven hinter der Reform verstärkt.
Oppositionsparteien und Gewerkschaften haben sich der Kritik angeschlossen und warnen, die Änderungen könnten bewährte Strukturen zerschlagen. Einige bringen die Pläne mit früheren Konflikten über die Rolle zivilgesellschaftlicher Gruppen bei der Gestaltung öffentlicher Politik in Verbindung.
Die vorgeschlagenen Reformen lassen viele Organisationen in der Schwebe: Die Förderung läuft aus, noch bevor neue Regeln feststehen. Falls umgesetzt, werden die Änderungen die demokratische Bildung in Deutschland grundlegend verändern – doch die langfristigen Folgen für Schulen, NGOs und die Extremismusprävention bleiben ungewiss.






