NGOs kritisieren deutsche Entwicklungspolitik als unzureichend und fordern radikale Reformen
Miriam HoffmannNGOs kritisieren deutsche Entwicklungspolitik als unzureichend und fordern radikale Reformen
Zwei große deutsche Nichtregierungsorganisationen haben die Entwicklungspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Welthungerhilfe und Terre des Hommes stellten am Mittwoch ihre jährliche Bewertung vor. Darin warnten sie, dass sich verschärfende Krisen, Kriege und der Klimawandel den Druck auf die Hilfsbemühungen weiter erhöhen.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert von Terre des Hommes präsentierten den Bericht. Zwar begrüßten sie jüngste politische Kurswechsel, doch fehlten den Plänen ihrer Meinung nach eine klare Strategie und eine ausreichende Einbindung der Zivilgesellschaft.
Die Organisationen betonten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker an den Bedürfnissen lokaler Partner ausgerichtet werden müsse. Gleichzeitig wiesen sie auf Spannungen zwischen deutschen Interessen und denen der Empfängerländer hin. Mogge forderte, die Qualität der Hilfe statt ihrer Menge in den Vordergrund zu stellen und Bürokratie abzubauen, um die Zusammenarbeit vor Ort zu verbessern.
Seit 2022 wurden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit bereits um ein Drittel gekürzt. Bis 2027 sind weitere Kürzungen zu erwarten. Die NGOs fordern nun, die humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen. Die Unterstützung müsse bedarfsorientiert, neutral und unabhängig von politischen oder sicherheitspolitischen Interessen bleiben, so ihre Forderung.
Hofert ergänzte, dass Reformen kein von Berlin aus gesteuertes Top-down-Projekt sein dürften. Stattdessen müssten von Anfang an die Partnerländer, lokale Gruppen und junge Menschen einbezogen werden. Mogge mahnte zudem an, präventive Maßnahmen stärker zu fördern, statt nur auf Notfälle zu reagieren.
Der Bericht unterstreicht die Dringlichkeit von Sofortmaßnahmen und einem inklusiveren Ansatz. Die NGOs verlangen mehr Finanzmittel und eine grundlegende Veränderung der Hilfspraxis. Ohne diese Schritte, warnen sie, werde die Entwicklungszusammenarbeit den wachsenden globalen Herausforderungen nicht gerecht werden können.
