05 April 2026, 04:16

Neues Online-Portal dokumentiert 55 Jahre Rechtsextremismus in Deutschland

Offenes Buch mit handgeschriebenem Text auf altem Papier, wahrscheinlich ein Dokument der Bundesrepublik Deutschland, mit schwachen Wasserzeichen am Boden.

Neues Online-Portal dokumentiert 55 Jahre Rechtsextremismus in Deutschland

Ein neues Online-Portal bietet ab sofort freien Zugang zu historischen Quellen über rechtsextreme Strömungen in Deutschland von 1945 bis 2000. Das Projekt soll Forschung, Schulen und politische Bildung unterstützen, indem es die Entwicklung extremistischer Strategien über fünf Jahrzehnte dokumentiert. Mehr als 30 Fachleute haben durch Annotation und Einordnung der Materialien zu dem Vorhaben beigetragen.

Das unter https://radikale-rechte.de/ abrufbare Portal umfasst Propagandatexte, Aufrufe zu Gewalt sowie gezielt an Jugendliche gerichtete Unterlagen. Die Herausgeber, Prof. Dr. Frank Bösch vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und Prof. Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (MMZ), haben die Auswahl und Analyse der Dokumente geleitet.

Zu den im Archiv dokumentierten zentralen Akteuren der rechtsextremen Szene zählen die NPD, die durch die Ostpolitik der sozialliberalen Regierung an Wählerstimmen verlor, sowie gewaltbereite neonazistische Gruppen. Dazu gehörten Organisationen unter Führung von Michael Kühnen und Manfred Roeder wie die Aktionsfront Nationaler Sozialisten, die Deutschen Aktionsgruppen und die Volkssozialistische Bewegung Deutschlands. Auch die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei, bekannt für radikale Holocaustleugnung und Antisemitismus, wird thematisiert.

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Das Portal beleuchtet zudem die terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), die zwischen 2000 und 2007 aktiv war und für die Morde an neun Männern mit Migrationshintergrund verantwortlich zeichnet. Es dokumentiert ferner Parteien wie die Republikaner und die Deutsche Volksunion, die in Landesparlamente einzogen. Nach einem Bundesverbot für einige neonazistische Gruppen 1992 formierten sich viele in dezentrale Netzwerke um, die als Freie Kameradschaften bekannt wurden.

Das Portal ermöglicht Forschenden, Lehrkräften und der Öffentlichkeit den direkten Zugang zu Primärquellen über Rechtsextremismus. Die aufbereiteten Dokumente geben Einblicke in Taktiken, Propaganda und organisatorische Wandlungsprozesse extremistischer Bewegungen über 55 Jahre. Das Projekt ist als Instrument für historische Analysen und gesellschaftliche Aufklärung konzipiert.

Quelle