BP kämpft mit Aussperrungen und Ölpreisschock – doch die Produktion läuft weiter
Miriam HoffmannBP kämpft mit Aussperrungen und Ölpreisschock – doch die Produktion läuft weiter
BP steht vor neuen Herausforderungen, nachdem rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte in seiner Raffinerie in Whiting, Indiana, nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt wurden. Trotz des Konflikts betont das Unternehmen, dass die Produktion weitgehend unbeeinträchtigt bleibe. Gleichzeitig prägen stark steigende Ölpreise und anhaltende Umstrukturierungsmaßnahmen die finanzielle Strategie des Konzerns.
Die Aussperrung in der Whiting-Raffinerie von BP fällt in eine Phase erhöhter Spannungen im Energiesektor. Nach schweren Blockaden in der Straße von Hormus, durch die fast 20 % der globalen Öl- und Flüssiggastransporte (LNG) unterbrochen wurden, schnellen die Preise für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel hoch. Als Reaktion darauf erteilte die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act, die es ausländischen Schiffen erlaubt, Waren zwischen US-Häfen zu transportieren und so die Lieferketten zu entlasten.
Die finanziellen Probleme von BP haben sich seit Anfang 2025 verschärft: Der Marktwert des Unternehmens sank um etwa 18 % – von 95 Milliarden auf 78 Milliarden US-Dollar bis März 2026. Rückläufige Ölpreise, Konkurrenz durch Erneuerbare-Energien-Unternehmen, strengere europäische Vorschriften für fossile Brennstoffe sowie Zweifel der Anleger an BPs zögerlicher Umstellung auf Netto-Null-Emissionen trugen dazu bei. Um gegenzusteuern, treibt der Konzern seine Restrukturierung voran und hat sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 erhöht.
Im Rahmen seines Desinvestitionsplans in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar bis 2027 verkaufte BP kürzlich seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Der Deal umfasst rund 1.800 Mitarbeiter sowie eine jährliche Verarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen und könnte die Verbindlichkeiten des Konzerns um bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar verringern. Die Bank HSBC reagierte darauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten" und erhöhte zugleich das Kursziel.
BP setzt seine Umstrukturierungsbemühungen fort, während es sich mit hohen Ölpreisen, betrieblichen Störungen und dem Druck der Anleger auseinandersetzt. Mit bereits gesicherten Desinvestitionen in Höhe von über 11 Milliarden US-Dollar strebt das Unternehmen an, seine Finanzen zu stabilisieren und sich an einen sich wandelnden Energiemarkt anzupassen. Die Ergebnisse dieser Maßnahmen werden BPs Position in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.






