26 March 2026, 12:19

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?

Titelseite der deutschen Zeitung 'Weitpreubliche Zeitung' vom 13. November 1939 mit einer Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung.

ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?

Die ARD testet derzeit eine 30-minütige Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau zur Hauptsendezeit. Der Versuch startete mit der Montagabend-Ausgabe um 20:15 Uhr und verdoppelt damit die übliche Sendedauer von 15 Minuten. Der Sender erhofft sich durch das längere Format mehr Zuschauer und ein größeres Vertrauen in die Medien.

Die Einschaltquoten der klassischen 15-minütigen Tagesschau sind in den vergangenen fünf Jahren um etwa 20 Prozent gesunken – von 7,5 Millionen im Jahr 2021 auf 6,2 Millionen im Jahr 2025. Gleichzeitig erreichten längere Ausgaben, wie die 25-minütige Sendung oder Online-Streams, bis zu 8 Millionen Zuschauer, wobei besonders jüngere Zielgruppen eine Vorliebe für vertiefende Berichterstattung zeigen.

Die Entscheidung für die Verlängerung folgt auf rückläufige Quoten der Standard-Ausgabe. Daten der ARD belegen, dass jüngere Zuschauer, insbesondere unter 50 Jahren, längere und detailliertere Nachrichtenformate bevorzugen. Online-Erweiterungen und 25-minütige Sendungen verzeichneten durchgehend eine höhere Reichweite, einschließlich der Streaming-Zahlen.

WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn verteidigte den Testlauf und argumentierte, dass die zusätzliche Zeit es der Sendung ermöglicht, globale Ereignisse mit den persönlichen Erfahrungen der Zuschauer zu verknüpfen. Dies mache die Nachrichten relevanter für den Alltag. Kritiker hingegen zweifeln daran, ob allein die längere Sendedauer die Herausforderungen der Sendung lösen wird.

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Journalistin Aurélie von Blazekovic hinterfragte die ARD-Strategie, durch Alltagsbezüge ein größeres Publikum ansprechen zu wollen. Medienkritiker Michael Hanfeld hielt dagegen, dass 15 Minuten für die Nachrichtenvermittlung ausreichen, und warnte, dass eine längere Sendedauer den Primetime-Plan der ARD durcheinanderbringen könnte. Anna Mayr von der Zeit ergänzte, dass das eigentliche Problem nicht die Dauer, sondern die Qualität der Inhalte sei.

Die ARD betont, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Versuch handelt. Eine endgültige Entscheidung, ob das 30-minütige Format dauerhaft eingeführt wird, steht noch aus.

Der Testlauf zeigt den Versuch der ARD, den Zuschauerrückgang durch ausführlichere Berichterstattung umzukehren. Sollte das Experiment erfolgreich sein, könnte die verlängerte Tagesschau zu einem festen Bestandteil werden – insbesondere für jüngere Zuschauer, die längere Formate bevorzugen. Zunächst wird der Sender jedoch Rückmeldungen und Quoten auswerten, bevor über die Zukunft der Sendung entschieden wird.

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