Wirtschaft zerrissen: Soll man mit der AfD reden oder sie boykottieren?
Miriam HoffmannWirtschaft zerrissen: Soll man mit der AfD reden oder sie boykottieren?
In der deutschen Wirtschaftswelt zeichnet sich eine wachsende Spaltung ab, wenn es um den Umgang mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) geht. Während einige Vertreter der Industrie fordern, die Partei müsse sich zunächst klar von extremistischen Positionen distanzieren, bevor Gespräche möglich sind, argumentieren andere, ein vollständiger Ausschluss untergrabe die Demokratie. Die Debatte offenbart tiefe Sorgen über die europafeindliche Haltung der AfD und deren mögliche Folgen für die Wirtschaft.
Dirk Jandura, Präsident des Bundesgroßhandel-, Außenhandel-, Dienstleistungs-Verbands (BGA), besteht darauf, dass die AfD extremistische Standpunkte zunächst ablegen müsse, bevor ein Dialog beginnen könne. Große Wirtschaftsverbände, darunter die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), halten weiterhin strikt Abstand zur Partei. BDA-Präsident Rainer Dulger warnt, dass extremistische Tendenzen eine Zusammenarbeit unmöglich machten.
Doch nicht alle Wirtschaftsführer teilen diese Haltung. Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Bekleidungsherstellers Trigema, befürwortet zwar eine kontrollierte Migration, lehnt aber eine politische Quarantäne – einen sogenannten cordon sanitaire – in einer Demokratie ab. Caspar Brockhaus, Chef der Brockhaus Gruppe, wirft der Ausgrenzung vor, Politik und Wirtschaft zu lähmen. Die Unternehmerin Sarna Rößer kritisiert den Ausschluss als arrogant und wirft den etablierten Parteien vor, abweichende Meinungen auszuschließen.
Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, verweist auf grundlegendere Bedenken: Die Stärkung der AfD könnte die soziale Marktwirtschaft in Deutschland destabilisieren. Besonders riskant seien die rechtsextremen und europafeindlichen Positionen der Partei.
Der Streit spiegelt die größeren Spannungen wider, wie demokratische Grundsätze mit der Bedrohung durch Extremismus in Einklang zu bringen sind. Die Wirtschaftselite bleibt gespalten zwischen der Aufrechterhaltung einer Blockadehaltung und dem Drängen auf Dialog. Die Entwicklung könnte in den kommenden Jahren sowohl die politische Strategie als auch die wirtschaftliche Stabilität prägen.






