Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und nie gelöst wurde
Ben HofmannWie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und nie gelöst wurde
Flaggenstreit zerriss die Weimarer Republik in den 1920er-Jahren
In der Weimarer Republik entbrannte in den 1920er-Jahren ein erbitterter Konflikt um die nationale Flagge, der das Land spaltete. Während Konservative an den alten kaiserlichen Farben festhielten, setzten sich Republikaner für ein neues Design ein. Kompromissversuche scheiterten immer wieder – die Nation blieb gespalten.
Der Streit begann nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918. Die politische Linke und die Mitte übernahmen Schwarz-Rot-Gold als Flagge der neuen Republik, während die Rechte an den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot festhielt. Der Konflikt wurde zum Symbol für die tiefer liegenden politischen Spannungen.
1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Vorausgegangen war ein Vorschlag von Reichskanzler Hans Luther, der auf Druck der Deutschen Volkspartei (DVP) reagierte, die die Wiederherstellung der kaiserlichen Flagge forderte. Die Verordnung schrieb vor, dass diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die republikanische Trikolore als auch die alte Handelsflagge hissen mussten.
Der „Reichskunstwart“ Edwin Redslob wurde mit der Lösung des Problems beauftragt. Er schlug ein neues Design vor: ein Flaggentuch mit roten und gelben Vierteln und einem schwarzen Balkenkreuz. Doch sein Entwurf fand keine Unterstützung – eine einheitliche „Reichsflagge“ wurde nie beschlossen.
Der Streit zog sich bis 1933 hin. Jeder Versuch, einen Konsens zu finden, scheiterte, sodass das Land ohne ein allgemein anerkanntes nationales Symbol blieb. Der Flaggenkonflikt offenbarten die tiefen Gräben in der Weimarer Republik. Trotz zahlreicher Vorschläge und Erlasse gelang keine dauerhafte Lösung – die Frage blieb bis zum Ende der Republik ungelöst.






