Volksfeste, Herrenmode und Ostseefisch: Was jetzt zum deutschen Kulturerbe zählt
Ben HofmannVolksfeste, Herrenmode und Ostseefisch: Was jetzt zum deutschen Kulturerbe zählt
Deutschland hat neue Traditionen in seine offizielle Liste des kulturellen Erbes aufgenommen. Zu den neuesten Anerkennung zählen die Schaustellerkultur auf Volksfesten, die handwerkliche Herrenschneiderei sowie die Fischerei in der Ostsee. Doch eine aktuelle Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer, ein palästinensisches Übersetzungsprojekt auszuschließen, hat für Kontroversen gesorgt.
Die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission gab die neuen Eintragungen bekannt. Damit stehen nun Schausteller auf Volksfesten, die handwerkliche Anfertigung von Herrenmode und die Ostseefischerei neben Traditionen wie dem Bolzplatz-Fußball oder den Martinsumzügen im Rheinland unter besonderem Schutz. Auffällig fehlte auf der Liste hingegen die SPD-Sommerfest-Bratwurst.
Weimers strenge Kriterien für staatlich geförderte Kulturprojekte geraten zunehmend in die Kritik. Besonders seine jüngste Streichung eines Übersetzungsprogramms für palästinensische Autorinnen und Autoren aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds löste Empörung aus. Kulturminister und Senatoren aus acht SPD-geführten Bundesländern protestierten gegen die Entscheidung und warfen Weimer vor, die kulturelle Vielfalt zu untergraben.
Die neuen Anerkennung unterstreichen Deutschlands Bemühungen, traditionelles Handwerk und Gemeinschaftspraktiken zu bewahren. Gleichzeitig wirft der Ausschluss bestimmter Projekte – darunter die palästinensische Übersetzungsarbeit – Fragen über die Auswahlkriterien auf.
Die neu anerkannten Traditionen erhalten nun offiziellen Schutz und Förderung. Die Debatte über Weimers Förderentscheidungen hingegen dauert an. Der Konflikt zwischen Denkmalschutz und politischen Erwägungen bleibt vorerst ungelöst.






