Theater kehren zu epischen Langzeitaufführungen zurück – und das Publikum jubelt
Ben HofmannTheater kehren zu epischen Langzeitaufführungen zurück – und das Publikum jubelt
Deutsche Theater kehren zu epischen Langzeitaufführungen zurück – nach Jahren kürzerer Stücke
Der Trend ist unübersehbar: Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen dominieren marathongleiche Inszenierungen das Programm. Das Publikum scheint wieder bereit für immersive, ganztägige Theatererlebnisse.
Während und kurz nach der Pandemie hatten viele Häuser ihre Stücke stark gekürzt. Oft verzichtete man auf Pausen, sodass die Zuschauer selten länger als zwei Stunden auf ihren Plätzen saßen. Doch nun besinnen sich Regisseure und Spielstätten auf opulente, anspruchsvolle Großprojekte.
Das diesjährige Theatertreffen, das zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auswählt, präsentiert gleich mehrere extrem lange Stücke. Die Münchner Kammerspiele zeigen Wallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos. Die Berliner Volksbühne wiederum bringt Peer Gynt zurück, dessen erster Teil in früheren Inszenierungen allein acht Stunden dauerte. Der Trend ist nicht neu: Schon 1999 lief Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele zwölf Stunden lang, und erst im vergangenen Jahr brachte das Schauspielhaus Bochum einen siebenstündigen Brüder Karamasow auf die Bühne.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste Ultra-Langzeitaufführung 2007. Seither sind solche Marathonstücke fester Bestandteil der deutschen Theaterkultur. Trotz ihrer Länge sind die Vorstellungen oft schnell ausverkauft – ein Beweis dafür, dass das Publikum nach wie vor groß angelegte, zeitintensive Inszenierungen sucht. Der Deutsche Bühnenverein erfasst zwar keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch der Trend ist deutlich.
Die Rückkehr zu diesen ausufernden Produktionen markiert eine Rückkehr zur theatralischen Ambition der Zeit vor der Pandemie. Das Publikum füllt die Säle für sieben-, acht- oder sogar zwölfstündige Veranstaltungen. Vorerst zeigt sich: Die Lust auf immersives, ganztägiges Theater ist ungebrochen.






