Solingens Innenstadt im Abwärtssog: Warum Einzelmaßnahmen nicht reichen
Philipp ZimmermannSolingens Innenstadt im Abwärtssog: Warum Einzelmaßnahmen nicht reichen
Solingens Innenstadt kämpft mit tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Leerstehende Läden, ein schrumpfendes Angebot an qualitativ hochwertigen Waren sowie ein Mangel an Gastronomie und Begegnungsstätten prägen den schleichenden Niedergang der vergangenen Jahre. Zwar hat die lokale Politik vereinzelte Projekte angestoßen, doch ein umfassendes Gesamtkonzept fehlt bis heute.
Der Verfall vollzog sich schrittweise und hat Ursachen, die außerhalb des Einflussbereichs der Stadt liegen. Größere Städte zogen wichtige Dienstleistungen an sich, Industriearbeitsplätze wurden ins Ausland verlagert, und Discounter sowie der Online-Handel dominieren zunehmend das Konsumverhalten. Zurück bleibt ein Zentrum, das für mobile, gut verdienende und anspruchsvolle Bewohner kaum noch Attraktivität bietet.
Stadtrat Walsken plädiert für einen ganzheitlichen Masterplan, der den gesamten Rings um die Innenstadt umfasst. Dieser soll städtische Planung, soziale, kulturelle, klimapolitische, verkehrstechnische und gemeinwesenorientierte Belange verbinden. Die Entwicklung muss dabei auch angrenzende Viertel wie die Mangenberger Straße, die Friedrichstraße, den Graf-Wilhelm-Platz und das Werwolf-Viertel einbeziehen.
Walsken fordert einen Wechsel von isolierten Einzelmaßnahmen hin zu einer langfristigen, flächendeckenden Strategie. Konkrete Schritte wären etwa eine bessere Vernetzung der Glasernen Werkstatt mit lokalen Start-ups, der Ausbau von Studentenkohnheimen, ein dezentrales Gesundheitsversorgungssystem sowie digitale Beratungsangebote. Eine breite Bürgerbeteiligung und externe Fachkompetenz seien unverzichtbar, um den Plan zu gestalten.
Ein schlüssiges Gesamtkonzept könnte das Schicksal der Innenstadt wenden. Entscheidend ist es, attraktive Rahmenbedingungen für eine gut verdienende, mobile Zielgruppe zu schaffen. Ohne diesen Kurswechsel droht Solingen trotz aller bisherigen Bemühungen ein weiterer Abwärtstrend.
