Print-Aus der OTZ in Greiz: Warum 47 Prozent der Leser nach Digital-Umstellung kündigten
Miriam HoffmannPrint-Aus der OTZ in Greiz: Warum 47 Prozent der Leser nach Digital-Umstellung kündigten
Die Ostthüringer Zeitung (OTZ) stellte im vergangenen Frühjahr die Zustellung ihrer Printausgabe in elf Dörfern der Region Greiz ein. Die Funke Mediengruppe bezeichnete diesen Schritt als Test für die "Digitalisierung ländlicher Räume", doch die plötzliche Umstellung löste bei vielen Einwohnern Frust aus. Innerhalb weniger Wochen kündigten fast die Hälfte der betroffenen Abonnenten ihre Bezüge.
Vor der Änderung hatte die OTZ in der Testregion etwa 300 Abonnenten. Nach dem Wechsel gingen 47 Prozent der Abos verloren. Funke räumte später ein, den Unmut der Leser unterschätzt zu haben, und gab zu, dass acht Wochen Vorbereitungszeit nicht ausgereicht hätten.
Das Ende der Printzustellung traf Dörfer, die ohnehin schon mit schrumpfender Infrastruktur kämpften. Viele fühlten sich durch die Entscheidung noch stärker übergangen. Gefragt, für welche Art von Journalismus sie zahlen würden, forderten Anwohner wiederholt mehr investigativen Journalismus, tiefgehende lokale Berichterstattung und eine größere Vielfalt an Perspektiven zu zentralen Themen.
Während sich traditionelle Zeitungen zurückziehen, springen kostenlose Medien in die Bresche. Doch diese Angebote bedienen oft spezifische Interessen oder bieten Behörden eine Plattform zur Selbstdarstellung. In Greiz starteten AfD-Politiker mit dem Online-Portal Heimatbote Vogtland eine eigene Plattform, die über lokale Aktivitäten der Partei berichtet – ohne mögliche Interessenkonflikte klar offenzulegen.
Vor zwei Wochen wurde die abschließende Auswertung des Projekts in Greiz als "höchst konstruktiv" beschrieben. Teilnehmer schlagen Verbesserungen für die OTZ-App vor und wünschen sich direktere Kontaktmöglichkeiten zu lokalen Journalisten. Unterdessen hat das Netzwerk Recherche einen "Support Desk für Lokaljournalismus" eingerichtet, der Reporter bei Recherchemethoden, praktischen Herausforderungen und ethischen Fragen unterstützt.
Der Wechsel von Print zu Digital in der Region Greiz hat zu einem deutlichen Rückgang der Leserschaft geführt und Sorgen um die Zukunft lokaler Nachrichten geschürt. Die Einwohner wünschen sich tiefgründigere, unabhängige Berichterstattung – doch die Entwicklung scheint sich von ihren Erwartungen zu entfernen. Der Verlust traditioneller Zeitungen hat zudem politisch geprägten Medien Tür und Tor geöffnet, lokale Narrative mitzugestalten.






