Lissabon führt Drehkreuze und Zeitlimits an Aussichtspunkten gegen "Sunset-Squatting" ein
Miriam HoffmannLissabon führt Drehkreuze und Zeitlimits an Aussichtspunkten gegen "Sunset-Squatting" ein
Lissabon hat einen ehrgeizigen Plan vorgestellt, um die Menschenmassen an seinen beliebtesten Aussichtspunkten zu regulieren. Ab Mai werden Drehkreuze und Zeitlimits an zentralen Orten eingeführt, um das sogenannte "Sunset-Squatting" – das stundenlange Verweilen bei Sonnenuntergang – zu unterbinden. Die Maßnahme löst unter den Einwohnern gemischte Reaktionen aus: Manche begrüßen die Neuerungen, andere kritisieren sie als überzogenen Eingriff in die persönliche Freiheit.
Die Pilotphase startet am 1. April 2023 und umfasst zunächst vier bekannte Aussichtspunkte: Miradouro da Graça, Senhora do Monte, Santa Catarina (Adamastor) und São Pedro de Alcântara. An jedem Standort werden Glaskabinen mit intelligenter Technik installiert, die ein ticketbasiertes Einlasssystem und strikte Zeitbegrenzungen durchsetzen.
Wer die zugewiesene Zeit überschreitet, dem werden die Drehkreuze verriegelt, zudem droht ein Bußgeld von 15 Euro – offiziell als TOEEC (Steuer auf übermäßige Inanspruchnahme von Panoramabereichen) bezeichnet. Ampelsignale zeigen an, wenn die Zeit abläuft. Einheimische, die in den historischen Gemeinden steuerlich gemeldet sind, profitieren hingegen von einer "Grünen Spur": Sie dürfen Warteschlangen umgehen und ihren Aufenthalt auf 20 Minuten verlängern.
Die Einnahmen aus den Strafgebühren fließen in die tägliche Reinigung und Instandhaltung der technisch aufgerüsteten Aussichtspunkte. Bis April 2026 soll das Programm auf weitere Standorte ausgeweitet werden, darunter Miradouro da Senhora do Monte, Miradouro de São Jorge und Miradouro de Santa Luzia. Zudem sind Bewertungen für Graça und Flussufer-Locations wie den Miradouro do Tejo geplant.
Trotz des strukturierten Vorgehens bleibt die Stadt gespalten. Befürworter argumentieren, die Regeln würden einen fairen Zugang für alle sichern, während Kritiker sie als Einschränkung der persönlichen Freiheit brandmarken. Ziel des neuen Systems ist es, Tourismus und lokale Nutzung an Lissabons frequentierten Aussichtspunkten in Einklang zu bringen. Bei Erfolg könnte das Pilotprojekt auf weitere Standorte ausgeweitet werden und die Art und Weise verändern, wie Besucher die ikonischen Landschaften der Stadt erleben. Bis dahin müssen sich Einwohner und Touristen gleichermaßen an die strengeren Vorschriften anpassen.






