Kohleausstieg in Gefahr: Merz will Kraftwerke länger laufen lassen – Grünen protestieren
Ben HofmannKohleausstieg in Gefahr: Merz will Kraftwerke länger laufen lassen – Grünen protestieren
Deutschlands geplanter Kohleausstieg könnte sich verzögern, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz vorgeschlagen hat, bestehende Kraftwerke länger am Netz zu lassen. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der Brandenburg verstärkt auf Erneuerbare setzt – Wind- und Solarenergie decken mittlerweile mehr als die Hälfte des Strombedarfs der Region. Der Vorstoß stößt jedoch auf Widerstand der Grünen, die an der ursprünglichen Zeitplanung festhalten wollen.
Brandenburgs Energiemix hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt. Bis 2025 stammten bereits 54,9 % der eingespeisten Energie aus erneuerbaren Quellen – ein Anstieg gegenüber 52,7 % im Vorjahr. Windkraft (33,8 %) und Solarenergie (14,6 %) treiben das Wachstum voran. Die installierte Solarkapazität erreichte fast 7 Gigawatt, während der Kohleanteil auf 38,5 % sank (2021: 54,4 %). Laut der Energie-strategie des Landes von 2022 soll der Strombedarf bis 2030 vollständig aus Erneuerbaren gedeckt werden, unterstützt durch einen massiven Ausbau von Wind- und Solaranlagen.
Merz argumentierte, dass mögliche Engpässe in der Energieversorgung Deutschland zwingen könnten, Kohlekraftwerke über die geplanten Stilllegungen hinaus zu betreiben. Zudem forderte er einen beschleunigten Bau von Gaskraftwerken, um die Stromversorgung abzusichern. Seine Aussagen könnten den für 2038 vorgesehenen Kohleausstieg verschieben – mit Folgen für Unternehmen wie LEAG, das für die Abschaltung seiner Braunkohle-meiler mit 1,75 Milliarden Euro entschädigt werden soll.
Die Grünen reagierten mit einem Appell an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), jede Verzögerung abzulehnen. Sie betonten, wie wichtig der Schutz der Arbeitsplätze und die Fortführung der Investitionen in den Strukturwandel der Region seien – insbesondere in der Lausitz, wo der Braunkohleabbau schrittweise endet.
Merzs Vorschlag zeigt die Spannung zwischen Versorgungssicherheit und Klimazielen. Zwar schreitet Brandenburgs Ausbau der Erneuerbaren voran, doch ein langsamerer Kohleausstieg könnte die Transformationspläne der Region beeinflussen. Die endgültige Entscheidung wird sowohl die Industrie-entschädigungen als auch die langfristige Energiestrategie Deutschlands prägen.






