29 June 2026, 18:34

Klagenfurt feiert 50. Tage der deutschsprachigen Literatur mit Skandalen und starken Stimmen

In Frontal Opposition to Everything

Klagenfurt feiert 50. Tage der deutschsprachigen Literatur mit Skandalen und starken Stimmen

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Scharfe Debatten und mutige Siege

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt waren geprägt von hitzigen Diskussionen und markanten Preisträgern. Wirtschaftlicher Druck und literarische Hierarchien bestimmten die Gespräche. Autor:innen und Juror:innen gerieten über die Rolle von Geld und Macht im Schreiben aneinander.

Den Auftakt bildete Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“, in dem Gott selbst auf der Anklagebank sitzt und sich einem Urteil stellen muss. Dieses Motiv der kritischen Prüfung zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Festival.

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Beim Ingeborg-Bachmann-Preis saßen sieben Jurorinnen den Autor:innen gegenüber und analysierten deren Texte vor Publikum. Slata Roschal las eine Erzählung, die scheinbar prekäre Lebensumstände thematisierte – immer wieder tauchten Flecken als Symbol für Entbehrung auf. Doch plötzlich lenkte sie den Fokus auf die Missstände innerhalb der Literaturszene selbst. Sie geißelte schlecht bezahlte Stipendien und winzige Gewinnspannen, um dann überraschend zu verkünden, sie werde unmittelbar nach ihrer Lesung gehen – ohne sich der Jury zu stellen.

Den KELAG-Preis gewann Kinga Tóth mit ihrer Schilderung eines „Ostblock-Mädchens“, das den Alltagsdemütigungen und Kämpfen unter solchen Bedingungen ausgesetzt ist. SAIDs Text „Was wir tragen“ erzählte hingegen die Geschichte zweier übergewichtiger Schülerinnen und der lebenslangen Gewalt, der sie ausgesetzt sind. Die Autorin erhielt dafür nicht nur den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis, sondern auch den Publikumspreis.

Das Festival endete mit klaren Siegerinnen – Tóth und SAID überzeugten mit ihren kraftvollen Erzählungen – und einer nachhallenden Spannung. Roschals demonstrativer Abgang unterstrich die Frustration vieler über die wirtschaftlichen Realitäten der Branche.

Quelle