EZB warnt vor Energieschocks und drohender Rezession durch den Iran-Krieg
Nina SchulzEZB warnt vor Energieschocks und drohender Rezession durch den Iran-Krieg
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner jüngsten globalen Prognose vor steigenden Preisen und einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung gewarnt. Unterdessen bereitet sich die Europäische Zentralbank (EZB) auf mögliche Energieschocks vor, die mit dem anhaltenden Iran-Krieg in Verbindung stehen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizzierte eine dreistufige Strategie, um die Inflationsrisiken in den Griff zu bekommen, während die Ölpreise weiterhin stark schwanken.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 haben die Ölpreise in der Eurozone erhebliche Ausschläge erlebt. Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 stiegen sie auf über 100 US-Dollar pro Barrel und erreichten mit fast 120 Dollar für Brent-Rohöl ihren Höhepunkt. Dieser Anstieg – weit über der EZB-Prognose von 70 Dollar aus dem März 2024 – trieb die Inflation auf den höchsten Stand seit 2024, wobei die Kraftstoffkosten zunächst stark anstiegen, bevor sie sich leicht abschwächten.
Die Störungen im globalen Schiffsverkehr haben die Lage zusätzlich verschärft. Angriffe der Huthi-Rebellen auf israelnahe Schiffe Ende 2023 zwangen etwa die Hälfte des Verkehrs durch den Suezkanal zur Umleitung. Trotz US-Luftangriffen und diplomatischer Bemühungen erholten sich die Frachtvolumina nie vollständig, was den Druck auf die Energiemärkte erhöhte.
Die jüngsten Prognosen der EZB zeigen erhebliche Risiken auf. In ihrem ungünstigsten Szenario stagniert die Wirtschaftsleistung bis 2026, bevor sich eine langsame Erholung abzeichnet, während ein tiefergehender Energieschock eine leichte Rezession auslösen könnte. Die aktuellen Ölpreise liegen nahe an diesem worst-case-Szenario und befinden sich im 95. Perzentil der erwarteten Preisentwicklung.
Lagardes Strategie umfasst drei zentrale Schritte. Erstens wird die EZB kurzfristige Energieschocks ignorieren, da politische Anpassungen zu lange brauchen würden, um Wirkung zu zeigen. Zweitens folgt bei einer vorübergehenden, aber über dem Ziel liegenden Inflation eine abgestufte Reaktion. Drittens wäre bei anhaltenden Abweichungen der Inflation vom EZB-Ziel ein entschlossenes und nachhaltiges Umsteuern der Politik erforderlich.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, verglich diesen Ansatz mit einem geordneten Probit-Modell. Bei jedem Treffen müssen die Entscheidungsträger abwägen, ob sie den Schock übergehen, moderat gegensteuern oder entschlossen handeln. Das extreme Szenario warnt vor anhaltend hoher Inflation, die die EZB zu kräftigen Eingriffen zwingen könnte – selbst auf die Gefahr hin, eine Rezession zu vertiefen.
Die EZB steht nun vor einem schwierigen Balanceakt. Angesichts von Ölpreisen auf worst-case-Niveau und steigenden Inflationsrisiken hängt ihr weiteres Vorgehen davon ab, wie lange die Energieschocks anhalten. Die Reaktion der Notenbank wird in den kommenden Monaten sowohl die Preisstabilität als auch das Wirtschaftswachstum prägen.






