Digitalministerin Scharrenbach räumt toxisches Arbeitsklima und Führungsfehler ein
Miriam HoffmannScharrenbach bietet Mitarbeitern nach Vorwürfen Gespräche an - Digitalministerin Scharrenbach räumt toxisches Arbeitsklima und Führungsfehler ein
Nordrhein-Westfalens Digitalministerin Ina Scharrenbach steht schwere Vorwürfe wegen ihrer Führungsarbeit gegenüber. Berichte von "Der Spiegel" und dem WDR beschreiben ein toxisches Arbeitsklima in ihrem Ministerium, geprägt von Mobbingvorwürfen, extremer Arbeitsbelastung und hoher Personalfluktuation. Scharrenbach hat die Kritik mittlerweile eingeräumt und versprochen, die Probleme direkt anzugehen.
Die Schwierigkeiten in Scharrenbachs Ministerium traten kurz nach ihrem Amtsantritt 2022 zutage. Die anfängliche Zuversicht in ihre Führung verflüchtigte sich bis 2026, als sich Beschwerden über Mikromanagement, Burnout-Fälle und gescheiterte Digitalprojekte häuften. In zentralen Abteilungen verließen über 50 Prozent der Mitarbeiter:innen das Ministerium, während Whistleblower von unzumutbaren Arbeitsbelastungen und blockierten Vorhaben berichteten – darunter ein geplantes IT-Upgrade für die Polizeisysteme. Parlamentarische Anfragen Anfang 2026 bestätigten diese Befunde später.
Ein internes Schreiben, das "Der Spiegel" vorliegt, charakterisiert die Stimmung im Ministerium als "von Angst und Einschüchterung geprägt". Eine hochrangige Beamtin, die anonym bleiben möchte, erklärte: "Diese Frau hat mich zerstört." Das Magazin enthüllte zudem, dass Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei, bereits im Januar 2025 über Fehlverdensvorwürfe informiert worden war – Monate vor der Bundestagswahl. Liminski räumte später ein, dass es bereits zu Beginn der Legislaturperiode im Zuge der Ministeriumsreform Fragen zur Führungskultur gegeben habe.
Scharrenbach reagierte am Donnerstag mit dem Eingeständnis von Fehlern in ihrem Führungsstil. Sie betonte, die Vorwürfe ernst zu nehmen, und bot persönliche Gespräche mit betroffenen Mitarbeiter:innen an. Konkrete Maßnahmen wie gemeinsame Gesprächsrunden mit Belegschaft und Personalrat wurden angekündigt, um die Führungspraxis zu reformieren.
Die Ministerin räumt die Kritik ein, nachdem der Druck durch Medienrecherchen und interne Beschwerden stetig gewachsen war. Angesichts der hohen Fluktuation, gestoppten Projekte und öffentlich gewordener Whistleblower-Berichte werden ihre angekündigten Reformen genau beobachtet werden. Als nächste Schritte sind direkte Gespräche mit den Mitarbeiter:innen sowie strukturelle Änderungen geplant, um die dokumentierten Missstände zu beheben.






