Deutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor dem Niedergang übertrieben ist
Ben HofmannDeutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor dem Niedergang übertrieben ist
Deutsche Industrie im Wandel – trotz Abwärtsängsten
Die deutsche Industrie verändert sich rasant, auch wenn Befürchtungen über einen Niedergang laut werden. Aktuelle Studien des ifo Instituts, des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung deuten jedoch darauf hin, dass die Sorge vor einer Deindustrialisierung übertrieben sein könnte. Stattdessen vollzieht sich ein Strukturwandel hin zu wachstumsstarken Branchen, der die industrielle Landschaft des Landes neu prägt.
Doch nicht alle Sektoren passen sich gleich schnell an – besonders die Automobilindustrie steht vor enormen Herausforderungen, vor allem in wichtigen Exportmärkten wie China. Eine genauere Betrachtung zeigt: 76 Prozent der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe entfallen mittlerweile auf Branchen mit stetig steigender Nachfrage. Selbst in traditionell schwächeren Bereichen wie der Metallverarbeitung oder der Chemie dominieren wachstumsstarke Segmente. Die meisten Industrieunternehmen haben ihre Produktportfolios umgestellt und konzentrieren sich auf Güter mit hohem Marktpotenzial.
Doch die Autoindustrie bleibt ein Sorgenkind. Die deutschen Pkw-Exporte nach China, die 2022 noch fast 30 Milliarden Euro wert waren, sind bis 2025 auf unter 14 Milliarden Euro eingebrochen – ein Rückgang um mehr als die Hälfte. Allein zwischen 2024 und 2025 sanken die Ausfuhren um ein Drittel. Chinesische Hersteller, gestützt durch staatliche Förderung und wachsende Kompetenz in den Bereichen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride, haben Marktanteile erobert. Geopolitische Spannungen und die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Digitalfunktionen in Autos setzen die deutschen Produzenten zusätzlich unter Druck.
Forscher raten der Politik, statt veraltete Strukturen zu schützen, Innovationen zu fördern. Oliver Falck vom ifo Institut verweist auf positive Entwicklungen in vielen Bereichen und sieht darin einen gangbaren Weg nach vorn. Ein vorgeschlagenes Modell setzt auf die Entwicklung hochwertiger Produkte im Inland, kombiniert mit einer gezielten Unterstützung von Auslandsproduktionen. Dieser Ansatz könnte Branchen wettbewerbsfähig halten, ohne ausschließlich auf die heimische Fertigung zu setzen.
Der Strukturwandel in der deutschen Industrie ist bereits in vollem Gange, und viele Sektoren stellen sich erfolgreich auf wachstumsorientierte Produkte um. Doch die Schwierigkeiten der Automobilbranche – insbesondere in China – zeigen, dass die Anpassung ungleich verläuft. Künftiger Erfolg könnte davon abhängen, ob es gelingt, mit flexiblen Politiken Innovation und globale Zusammenarbeit zu fördern, statt sich gegen den Wandel zu stemmen.






