Buchhandlungspreis: "Golden Shop" wegen Zitat-Fassade ausgeschlossen – Zensurdebatte entfacht
Nina Schulz"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlungspreis: "Golden Shop" wegen Zitat-Fassade ausgeschlossen – Zensurdebatte entfacht
Die Bremer Buchhandlung Golden Shop wurde vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer sie – zusammen mit zwei weiteren linksgerichteten Buchläden – von der Shortlist gestrichen hatte. Als Begründung führte Weimer "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" an. Die Entscheidung löste eine breite Kontroverse aus, Kritiker werfen dem Minister vor, die künstlerische Freiheit anzugreifen.
Im Mittelpunkt des Streits steht die Fassade des Golden Shop, die ein Collage aus literarischen, musikalischen und Filmzitaten zeigt. Darunter befindet sich auch der Satz "Deutschland verrecke bitte" – ein Liedtext der Punkband Slime aus den 1980er-Jahren. Die Anwältin des Ladens, Lea Voigt, verwies darauf, dass das Bundesverfassungsgericht bereits 1996 entschied, die Zeile besitze künstlerischen Wert. Sie stehe in der Tradition von Heinrich Heines Protestgedicht "Die schlesischen Weber" von 1844. Beide Werke, so das Gericht, nutzten Übertreibung als gesellschaftskritisches Stilmittel, ohne zu Gewalt aufzurufen.
Weimer verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, ein steuerfinanzierter Preis dürfe "nicht an Staatsfeinde" gehen. Seine Entscheidung führte zu Rücktrittsforderungen, die die Bundesregierung jedoch zurückwies. Kritiker warnten, der Fall schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall für Zensur.
Angesichts der massiven Kritik sagte Weimer die für den 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse geplante Preisverleihung ab. Die ausgezeichneten Buchhandlungen erhalten ihr Preisgeld und die Urkunden nun ohne öffentliche Veranstaltung.
Mit der Absage endet die diesjährige Vergabe des Buchhandlungspreises abrupt. Zwar erhalten der Golden Shop und die anderen ausgeschlossenen Läden ihre Auszeichnungen noch – doch die Debatte über politische Einflussnahme auf Kulturförderung bleibt. Rechtliche Auseinandersetzungen um die Fassade und ihren künstlerischen Schutz werden voraussichtlich weitergehen.






