13 June 2026, 16:12

Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage schockt beim Wiener Festwochen-Höhepunkt

Wien-Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells radikale Mishima-Hommage schockt beim Wiener Festwochen-Höhepunkt

Angélica Liddell präsentiert am Volkstheater eine provokante neue Performance

Unter dem Titel „Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben“ feierte die Inszenierung Premiere und setzt sich mit dem Leben und Tod jener auseinander, die sich selbst das Leben nahmen. Das Stück ist Teil der Wiener Festwochen 2024, die sich in diesem Jahr mit den Themen Leben, Tod und dem Makabren beschäftigen.

Die Produktion bezieht sich stark auf die Geschichte des berühmten japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der 1966 in einem Kurzfilm seinen rituellen Selbstmord inszenierte, bevor er sich 1970 tatsächlich durch Seppuku – die traditionelle japanische Form des rituellen Suizids – das Leben nahm. Liddells Werk rekonstruiert diesen Moment und verbindet dabei Elemente des Nō-Theaters mit roher Performance-Kunst.

Auf der Bühne trägt Liddell Kleidungsstücke, die ihre Compagnie Atra Bilis Teatro von Menschen gesammelt hat, die durch Suizid starben. Sie schlüpft in ihre Rollen, verkörpert ihre letzten Augenblicke. In die Aufführung fließt auch echtes Blut ein – von Liddell selbst und einem japanischen Mitwirkenden –, das auf eine Leinwand projiziert wird.

Die Idee zu dem Stück entstand, nachdem Liddell am 7. Januar 2024 in Madrid den Suizid einer Frau miterlebt hatte. Diese Erfahrung vertiefte ihre Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit und der Entscheidung, sich das Leben zu nehmen.

Die Performance konfrontiert das Publikum schonungslos mit Darstellungen der Selbstzerstörung. Sie bedient sich Mishimas Erbe und persönlicher Hinterlassenschaften, um die Grenzen zwischen Leben und Tod auszuloten. Die Aufführung bleibt ein prägender Höhepunkt des diesjährigen Festivalprogramms.

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